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Exkursion in den Ruhrsandstein der Familie Grandi in Herdecke


Nach Wiedereröffnung des Museums für Naturkunde in Dortmund wird  die neue Ausstellung
des Museums die Region um Dortmund repräsentieren. Im Schwerpunkt beginnend mit dem Erdzeitalter des Karbons bis in die Neuzeit. Auch durch den Ruhrsandstein in Herdecke wird die Ruhrregion repräsentiert.

Wetter und Plattentektonik haben das Bild der Erde seit Beginn ihrer Entstehung geprägt,  Wetter und Plattentektonik prägen sie noch heute.  Im Zeitalter des Karbons entstand durch Plattentektonik der Riesenkontinent Pangäa, unter anderem mit der Folge der Variszischen Gebirgsbildung.  Im Vorland und in den Senkungen dieser Gebirge  sind  Massen von Gebirgsschutt und Feinsedimenten abgelagert worden, das Wetter hat hier eine entscheidende Rolle gespielt.  Diesen Vorgängen verdankt das Ruhrgebiet seine zahlreichen Kohlenflöze und den Ruhrsandstein.

Der Sandstein selber und seine darin enthaltenen Minerale und fossilen Abdrücke über die Flora und Fauna geben Auskunft über die Lebensformen und Lebensbedingungen der Vergangenheit in dieser Ruhr-Region. Dies zu erfahren, die industrielle Bearbeitung des Sandsteins kennen zu lernen und etwas über die schöne Umgebung von Herdecke zu sehen und zu hören ist Ziel der Exkursion in den Steinbruch der Familie Grandi in Herdecke. 


 

          

Die Anfahrt zur Firma Grandi, Attenbergstraße 25a in 58313 Herdecke erfolgt von Dortmund aus vorzugsweise  über die B54 (Hohensyburg /Wittbräucker Straße),  weiter über die B54  in Richtung Herdecke, dort in die Hauptstraße bzw. die Attenberger Straße.

Für die Durchführung der Führung konnte der Förderverein  Kati Grandi gewinnen.

Die Internetseite der Fa Grandi  gibt Auskunft über die Entstehung des Sandsteins und über die Historie der Gewinnung. Sollte ein Browser aus  irgenwelchen Gründen die Seite nicht öffnen und der Einfachheit halber sind die diesbezüglichen Seiten im Folgenden wieder gegeben. 

Zur Historie

Ein Abbau von Ruhrsandstein muss schon vor ca. 2000 Jahren stattgefunden haben, da in Resten von Boden- und Wandverkleidungen im römischen Xanten Ruhrsandstein nachgewiesen wurde (BGR 2009). Zahlreiche Bauten aus dem 13. Jahrhundert zeugen von seinem zumindestens seit dieser Zeit systematischen Abbau. Die zunehmende Industrialisierung, der damit verbundene Ausbau der Infrastruktur, der Bau von Eisenbahnstrecken und die Schiffbarmachung der Ruhr (ab 1770) führten zu erheblichen Bedeutung in der Industrie Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch nach Ende des 1. Weltkrieges nahm diese Bedeutung nicht ab, Mitte der 30er Jahre lebte der Abbau von Steinen wieder richtig auf.  Es wurden neue Reichsautobahnen, Kasernen, Parteitagsbauten etc. gebaut.

​In der Region um Herdecke gab es bereits um 1825  ca. 18 Steinbrüche mit ca. 62 Beschäftigten.  Im Jahr 1863 waren es bereits 200 Arbeiter  in 38 Brüchen und um 1900 stieg die Zahl auf 20 Steinbrüche mit insgesamt ca. 300 Arbeitern. Der Abbau von Ruhrsandstein war zu dieser Zeit der größte Industriezweig in Herdecke. Um 1903 waren fast ein Drittel aller Industriearbeiter in Steinbrüchen beschäftigt. Aber auch Fachkräfte aus Österreich und Italien (1907 - 433 Ausländer) waren sehr gefragt.

​Von 1903 bis 1914 nahm die Stellung der Steinbrüche in der Industrie erheblich ab. Ein Grund hierfür war die Einfuhr billiger Materialien aus Belgien und Schweden.

Viele Betriebe wurden von den Eigentümern an die (Vor-)Arbeiter verpachtet.

​Zu Beginn des 1. Weltkrieges (1914) begann die Abwanderung der Fremdarbeiter. Seit 1900 waren hauptsächlich Ausländer – überwiegend Italiener  aus den nord-italienischen Alpen – in den Steinbrüchen beschäftigt. Diese galten als Experten im Abbau von Steinen.

Diejenigen, die während und nach dem Krieg in Herdecke verblieben, waren jetzt zumeist in anderen Industriezweigen tätig, da die Steinbrüche im Verlauf des Krieges praktisch stillgelegt worden waren. (Quelle: Willi Creutzenberg "Die Steinhauer von Herdecke")

Auch Felice Grandi (geb.13.Sept.1871) aus Italien kam um 1905 mit seiner Familie nach Herdecke, um Arbeit zu finden. In Nord-Italien  herrschte zu dieser Zeit eine große Armut und er, als erfahrener Tunnelbauer (Mitarbeit am Bau des Simplon Tunnels) aus Vicenza Italien, war prädistiniert für die Arbeit in den Steinbrüchen. Als der Steinbruch, in dem er als Vorarbeiter tätig war, an ihn verpachtet wurde, wohnte er bereits mit seiner Familie oberhalb des Steinbruchs in den sogenannten Steinhauerhütten (ca. 1920). Auch sein Söhne Domenico und Felix, arbeiteten bereits um 1925 in diesem Steinbruch. 1945 wurde der Steinbruch von seinem Sohn  gekauft und ging nach seinem Tod 1964  in den Besitz von dessen 3 Söhnen Klaus, Benno und Dieter über. Seit Ende der 70er Jahre hat Klaus Grandi den Steinbruch dann alleine weitergeführt und 1984 wurde die Einzelfirma in eine GmbH umgewandelt. Bis heute wird bereits in der 4. Generation Ruhrsandstein abgebaut.


       


Zur Entstehung
 
Mitteleuropa vor 320 Millionen Jahren

Große Teile des heutigen Nordrhein-Westfalens lagen zu dieser Zeit am "Karbonmeer", ein tropisches Meer in Äquatornähe. Riesenschachtelhalme und baumartige Bärlappgewächse, sowie Riesenfarne bildeten dichte Urwälder.

Flüsse und Ströme schoben sandige, teilweise auch tonige Sedimente vor sich her und schütteten gewaltige Deltas auf. Langsam senkte sich der Untergrund und es entstanden die ersten Waldmoore.

Quer über den Kontinent zieht sich von West nach Ost ein großes Gebirge, das Geologen das Variszische Gebirge nennen werden. Im Norden dieses Gebirges, dessen eingeebneter Rumpf später zum Rheinischen Schiefergebirge werden soll, dehnt sich eine weite Tiefebene. Flüsse, die im nahen Gebirge entspringen, suchen sich über diese Ebene in Mäandern ihren Weg nach Norden, wo sie ins Meer münden. Die Landschaft ist nun durch ausgedehnte Flachmoore geprägt. Diese Moore, in denen unter feucht-warmem Klima eine üppige Vegetation gedeiht, sind die Geburtsstätten der Steinkohlenflöze. Häufig treten die Ströme über die Ufer, es kommt zu katastrophalen Überschwemmungen und mit den Fluten ergießen sich gewaltige Mengen von Sand und Schlamm über die Ebene, die alles Leben tief unter sich begraben. Jede Überschwemmung hinterlässt bis zu mehrere Meter mächtige Ablagerungen aus Sand und Tonschlamm. Jede Schicht erhöhete den Druck auf das darunter liegende Sediment, so dass das enthaltene Wasser regelrecht heraus gedrückt wurde. Als Folge hiervon verdichteten und verfestigten sich die Sedimentschichten und in einem Zeitraum von vielen Millionen von Jahren entstanden so auf sich allmählich absenkendem Untergrund Sedimentschichten von mehreren tausend Metern Mächtigkeit, unterbrochen von insgesamt mehr als 100 Kohleflözen. Aus dem Sand wird durch die Auflast darüber liegender Schichten ein Sandstein, aus dem Ton ein Tonstein.

  Die Zeit des Oberkarbon -  Entstehungszeit des Ruhrsandstein

Am Ende des Oberkarbon, vor etwa 290 Millionen Jahren, werden diese Ablagerungen durch endogene Schubkräfte gefaltet, mehrere tausend Meter tief in die Erdkruste versenkt und dem Variszischen Gebirge als weitere Faltenstränge angegliedert. Aufgrund des damit verbundenen hohen Drucks infolge der großen Versenkungstiefe wird der noch junge Sandstein in hohem Maße verdichtet und verfestigt. Mehr als 200 Millionen Jahre später wird der oberkarbonische Sandstein durch erneute Bewegungen der Erdkruste und damit verbundener Abtragung darüber liegender Schichten an die Erdoberfläche gehoben.

Als Ergebnis dieser erdgeschichtlichen Vorgänge ist insbesondere in den älteren Schichten des Oberkarbon ein Sandstein entstanden, der sich durch seine im Vergleich mit anderen Sandsteinen geringe Wasseraufnahme, seine an Granite heranreichende hohe Druckfestigkeit, seine hohe Abriebfestigkeit und die allgemein große Verwitterungsbeständigkeit auszeichnet: der Ruhrsandstein, benannt nach dem Fluß, der in heutiger Zeit sein Verbreitungsgebiet von Ost nach West durchfließt.

Die mittlere Korngröße der Ruhrsandsteine liegt in der Regel im fein- und mittelkörnigen Bereich. Die intensiven Kornkontakte zeugen von der starken Kompaktion der Sandsteine. Neben Quarz enthält der Ruhrsandstein hohe Feldspatanteile, so dass die Bezeichnung Arkose für diesen Sandsteintyp bisweilen verwendet wird. Unverwitterter Ruhrsandstein ist von hell- bis blaugrauer oder gelblich-bräunlich Farbe. Je offener er den Atmosphäre ausgesetzt ist, desto intensiver können eisenhaltige Bestandteile mittels Oxidation zu dem Eisenhydroxid Limonit verwittern, welches dem rohen Stein eine gelblich-braune oder auch rötlich-braune Farbe verleiht. Der Herdecker Ruhrsandstein enthält vorzugsweise Hämatit, so dass seine Färbung von außen intensiv rotbraun getönt ist. Gesägtes oder gespaltenes Material hingegen ist eher beige-braun bis grau oder grau-kieselig.

Sandstein wird oft als relativ weiches, wenig abriebfestes Sedimentgestein angesehen. Dieses tritt für den Ruhrsandstein nicht zu.

Der hohe Druck, der massiv auflagernden Schichten führt mit entsprechenden Temperaturen zu gründlichem Eintrag von Kieseläure in das Sediment. Eine geringe Wasseraufnahmekapazität und damit einher gehend eine sehr gute Frostbeständigkeit, sowie eine an feinkörnige Granite heranreichende Druckfestigkeit zeichnen den Ruhrsandstein aus. Eine Rohdichte i.M. von 2,55 g/cm³, solide Biegezug- und Abriebfestigkeit sowie eine hohe Verwitterungsbeständigkeit - all diese guten Eigenschaften brachten ihm die Handelsbezeichnung "Hartsandstein" ein. 



    


Jeder ist herzlich eingeladen, sich an diesem naturwissenschaftlichen Event zu beteiligen. Die Exkursion wird 1 1/2 bis 2 Stunden dauern.  Eine Exkursion, die sicherlich positiv und nachhaltig in den Köpfen verbleiben wird. 

Viele Steinbrüche werden für die Öffentlichkeit absolut gesperrt. Hier bietet sich dagegen die Gelegenheit, einen Steinbruch und seine Geheimnisse kennen zu lernen. Allerdings sichert sich auch Familie Grandi ab. Zur Teilnahme an der Exkursion ist die Zeichnung einer  Haftungserklärung erforderlich. 

Im Anschluss an die Führung bietet sich eine Tasse Kaffee in einem Cafe in Herdecke ( Cafe Wenning, Cafe Extrablatt, ...) oder im Roadstop an der Wittbräucker Straße an. 


     

   


  

Letzte Änderung: 10.02.2018