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Eine Exkursion des Fördervereins  in den Ruhrsandstein der Familie Grandi in Herdecke

 am 06. April 2019


Nach Wiedereröffnung des Museums für Naturkunde in Dortmund wird  die neue Ausstellung
des Museums die Region um Dortmund repräsentieren. Im Schwerpunkt beginnend mit dem Erdzeitalter des Karbons bis in die Neuzeit. Auch durch den Ruhrsandstein in Herdecke wird die Ruhrregion repräsentiert.

Wetter und Plattentektonik haben das Bild der Erde seit Beginn ihrer Entstehung geprägt,  Wetter und Plattentektonik prägen sie noch heute.  Im Zeitalter des Karbons entstand durch Plattentektonik der Riesenkontinent Pangäa, unter anderem mit der Folge der Variszischen Gebirgsbildung.  Im Vorland und in den Senkungen dieser Gebirge  sind  Massen von Gebirgsschutt und Feinsedimenten abgelagert worden, das Wetter hat hier eine entscheidende Rolle gespielt.  Diesen Vorgängen verdankt das Ruhrgebiet seine zahlreichen Kohlenflöze und den Ruhrsandstein.

Der Sandstein selber und seine darin enthaltenen Minerale und fossilen Abdrücke über die Flora und Fauna geben Auskunft über die Lebensformen und Lebensbedingungen der Vergangenheit in dieser Ruhr-Region. Dies zu erfahren, die industrielle Bearbeitung des Sandsteins kennen zu lernen und etwas über die schöne Umgebung von Herdecke zu sehen und zu hören war Ziel der Exkursion in den Steinbruch der Familie Grandi in Herdecke. 


            

Die Anfahrt zur Firma Grandi, Attenbergstraße 25a in 58313 Herdecke erfolgt von Dortmund aus vorzugsweise  über die B54 (Hohensyburg /Wittbräucker Straße),  weiter über die B54  in Richtung Herdecke, dort in die Hauptstraße bzw. die Attenberger Straße.


Unter https://www.grandi-steinbruchbetriebe.de   gibt  Fa Grandi Auskunft über die Entstehung des Sandsteins, über die Historie der Gewinnung und über die Verarbeitung mit den resultierenden Produkten.  Eine Fotogalerie vermittelt mit Luftbildern fotofrafische Eindrücke über den Steinbruch.

Dies alles wollte der Förderverein des Naturkundemuseums Dortmund selbst in Augenschein nehmen. Für die Durchführung der Führung konnte der Förderverein  Frau Kati Grandi gewinnen.


        


 

Die Exkursion dauerte mit nahezu 3 Stunden erheblich länger als ursprünglich vorgesehen.  Weil es allen einfach Freude bereitet hat,  dieses Stück Natur in seiner Geologie und in seiner Gegenwart zu erleben und zu erkunden. Eine Exkursion, die sicherlich positiv und nachhaltig in den Köpfen der Teilnehmer verbleiben wird.


    

Der Steinbruch gab den Exkursionsteilnehmern viele Geheimnisse aus der Zeit der Entstehung des Sandsteins preis.  Die stratigrafische Karte zeigt in etwa den Zeitraum, in dem der Ruhrsandstein in Herdecke sich gebildet hat.  

 


Erste Überraschung der Steinbruch-Begehung waren einige Hohlräume im Sandstein. Hier sind entweder starke Baumstäme eingespült worden  oder es sind ggf. Bäume umgestürzt. Fragmente von Schuppenbaum-Stämmen sind an einigen Stellen als fossile Stämme oder als Abdrücke im Sandsteim überliefert.. 


 


Treibholz-Abdrücke geben Zeugnis über turbulente Vorgänge im Unterkarbon Manchmal sind auch fossile Stücke (vielfach Schachtelhalm) dieser Pflanzen zu finden.


 



Eine Bestimmung der Pflanzen ist allerdings kaum möglich.  Wie die Quarze und Konglomerate, die zur Bildung des Sandsteins geführt haben, sind auch die Pflanzen-Reste zum überwiegenden Teil eingeschwemmt worden. Somit ist ihr Ursprung nicht bekannt. Grundsätzlich können die Pflanzen jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit den Bärlappgewächsen sowie den Schachtelhalmgewächsen zugeordnet werden.  Diese waren im Zeitalter des Karbons in unserer Region vorherrschend  (siehe hierzu beispielsweise auch "Die Pflanzlichen Fossilien des Piesbergs" oder Heft 61 des Westfälischen Museums für Naturkunde: Die Flora des Namur B aus Hagen-Vorhalle). 

Tierische Abdrücke  haben die Exkursionsterilnehmer nicht endeckt, das wäre unter den Randbedingen der Sandstein-Bildung auch ein großer Glücksfall.  Im Zeitalter des Unterkarbons haben hier aber sicher Tiere gelebt (siehe dazu "Die tierischen Fossilien des Piesbergs").  Auskunft gibt auch das Mueum für Ur- und Frühgeschichte im nahen Wasserschloss Werdringen. 

Es sind auch kleine Gänge mit weitgehend abgeschlossener Inkohlung zu sehen. Aber das sind kleinere Bereiche, von Flözen kann man nicht sprechen. Hier in Herdecke steht ohnehin das Flözleere Karbon an, das Flözführende Karbon setzt nördlicher ein.


Der Sandstein weist einen hohen Quarzanteil und  einen differenzierten Konglomerat-Anteill mit Korngrößen im fein-und mittelkörnigen Bereich aus. Manchmal sind auch größere Kiesel eingeschwemmt worden. Die Körner sind sehr kompakt zusammengefügt, dadurch  ist der Ruhrsandstein ein harter und abriebfester Sandstein mit einer geringen Wasseraufnahmekapazität.

Unverwitterter Ruhrsandstein hat überwiegend  graue bis gelbliche Farbe. Eisenhaltige Bestandteile im Stein oxidieren (atmosphärischer Sauerstoff vorausgesetzt) zum  Eisenhydroxid Limonit FeO(OH), dies verleiht dem Stein eine braune oder auch rötlich-braune Farbe. 
Der Herdecker Ruhrsandstein enthält vorzugsweise Hämatit, so dass seine Färbung von außen intensiv rotbraun getönt ist. Gesägtes oder gespaltenes Material hingegen ist eher beige-braun bis grau oder grau-kieselig.


 

Die Vorliebe der Natur für Wellen zeigt sich auch an Liesegangschen Ringen im Sandstein.
Einige Male haben die Exkursionsteilnehmer auch Steinkerne (Artisia) von Pflanzen gefunden. Schwierig zuordbar ist natürlich der pflanzliche Ursprung des Steinkernes. Es könnte beispielsweise Cordaites gewesen sein.


 


Ein besonderes Higlight für die Exkursionsteilnehmer waren die häufig in Kugelform ausgebildten Einschlüsse aus unterschiedlichem Sandstein. Vom harten Stein bis zu ganz weichem Stein mit geringer Konsistenz bis zu Toneisenstein. Diese Einschlüsse hat die Natur "damals" so geformt, eine plausible Erklärung fanden die Exkursionsteilnehmer nicht.


 

 

Einige Impressionen der Sandsteinbearbeitung


         

Neben der Sandstein-Geologie, der Sandsteingewinnung und der Sandsteinverarbeitung war es auch die Flora und Fauna im Steinbruch und in der nahen Steinbruchumgebung, welche die Exkursionsteilnehmer in ihren Bann zog.  Ein Uhu, Eidechsen, zwei lebende und prächtig aussehende Salamander (Europäische Salamander und Molche in Gefahr: Eine tödliche Pilzkrankheit breitet sich   aus. Der Pilz tötet mehr als 90 Prozent aller Salamander und ist hochansteckend. Einzige Abhilfe: Den Vormarsch des Pilzes möglichst stoppen und die Salamander versuchen zu evakuieren, bevor der Pilz sie erreicht). Das ist hier der Fall.


Einige Impressionen der Flora und Fauna im Steinbruch Grandi


                                                                                        


   
                              

Letzte Änderung: 16.04.2019