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 Ein Rundgang durch das Museum Paläon in Schöningen

Eine Exkursion des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund am 23. Juli 2017

Der Leiter des Naturhistorischen Museums in Braunschweig und stellvertretender Beiratsvorsitzender des Museums Paläon in Schöningen, Herr  Dr. Ulrich Joger, hatte es sich nicht nehmen lassen, die Exkursionsgruppe des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund und insbesondere seinen früheren Mitarbeiter Herrn Dr. Jan Ilger zu begrüßen und durch das Paläon zu führen. Zwischen einem Termin in Hessen und einem anschließenden Termin im Paläon.  Der Förderverein bedankt sich herzlich für dieses Engagement.

 

 Dr, Hoger begruesst Jan Ilger und Elke Moellmann  jetzt begruesst  er alle


Markante und lange Rolltreppen führen hinauf in die Ausstellungsräume im 2. Obergeschoss, man ist ein wenig an Zollverein erinnert. Das dreigeschossige Foyer mit den Rolltreppen ist das Zentrum des Museums, das alle Sichtachsen miteinander verbindet. Während der Fahrt nach oben kann man Horizonte der Braunkohlegrube studieren.


  Der Weg nach oben 
 

Dieser Architektur muss man sich unterordnen  und beginnt,  sie sie  schätzen.  Wie die Kunst ist auch die Architektur immer eine Herausforderung. Die Aufgabenstellung der Ausstellung muss natürlich erfüllt werden, das ist in diesem Museum der Fall. Durch markante Fenster sehr gelungen ist die Verbindung zwischen der Ausstellung im  Museum und dem Blick auf das umgebende Gelände mit seinen Fundstellen, der Braunkohlegrube usw.

Fensteroeffnung


Das Land Niedersachsen hat die Idee zum Bau des Museums gefördert und die Umsetzung der Idee mit 15 Millionen € gestützt. Auf der Grundlage der wissenschaftlichen Entdeckungen in Schöningen und der  Idee des Zusammenspiels aktiver Forschung und erlebnisreicher Ausstellung mit dem Hintergrund der Tagebaukulisse wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt. Den Zuspruch erhielt ein Team aus Braunschweig, Zürich und Berlin. Richtfest wurde am 11. Juni 2012 gefeiert, der Museums-und Forschungsbetrieb Betrieb begann in 2013.  

Das Paläon ist kein Landesmuseum, entsprechend trägt das Land Niedersachsen nicht die Kosten für Unterhaltung und den Betrieb. Verantwortlich dafür ist der Kreis Schöningen, der auf  Sponsorenstützung, z.B. durch die VW-Stiftung, angewiesen ist. Der sehr aktive Förderverein des Paläons stützt ergänzend mit großen Mitteln. Letztlich unterstützt auch das Land Niedersachsen, das besonders an der  wissenschaftlichen Forschung interessiert ist.

Die Grabung und Forschung  betreibt aktuell  das Tübinger Institut für Frühgeschichte. Die Tübinger Forscher sind bereits seit der Entdeckung der Speere hier tätig. Seit einiger Zeit ist das Tübinger Institut der Senckenberg–Stiftung zugeordnet.  Das Land Niedersachsen führt keine eigenen Grabungen mehr durch, ist aber mit seinem Landesamt für Denkmalpflege an den Forschungen beteiligt. Der Entdecker der Speere, Herr Dr. Hartmut Thieme, war bis zu seiner Pensionierung 2012  Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege.  Für die  Vergabe von Unteraufträgen zur Forschung an besonderen Exponaten ist die Senckenberg-Stiftung verantwortlich.

Dr. Joger lenkt die Aufmerksamkeit des Blickes von oben in den Foyer- Raum auf ein Modell der Braunkohlegrube, wie  sie vor der  vor deren Erschließung ausgesehen hat. Siedlungen sind zu erkennen. In der Humus-Deckschicht steckt ein Auto, wahrscheinlich ein Hinweis, was zukünftige Generationen aus unserem Zeitalter finden werden. Stehen wir an der Grenze zu einem neuen Zeitalter? Die Wissenschaft ist sich nicht schlüssig.  Unter dem Modell Dinosaurier. Die sind gedacht für Kinder, die sich immer besonders für Dinos interessieren und hier einen Hinweis erhalten, dass die Dinos zu Beginn des Eozäns längst ausgestorben waren.


  Das Modell im Foyer
 

Im Paläon ist im Wesentlichen die Archäologie der Ausgrabungen aus der Braunkohlegrube in Schöningen ausgestellt. Das  Eozän der Grube hat neben fossilen Überlieferungen von Pflanzen (z.B. Palmen) und  Pollen keine Archäologischen Funde zu bieten. Die sind  Sache der Forschung der Paläobotanik.  Ab dem Oligozän ist die fossile Überlieferung ganz beendet und setzt erst mit der Zeit vor 300000 Jahren wieder ein. Die Formung des Schöninger Sees setzte mit den Gletschern der Elster-Eiszeit im Mittel-Pleistozän ein, Schmelzwasser füllte den See, Sedimente wurden eingespült.  Archäologische Funde haben die Schichten bisher nur für Holstein- Warmzeit gebracht. Aber die Grabungen sind noch nicht beendet.

Einen absoluten Schwerpunkt der Ausstellung  bilden die gefundenen Speere. Die bearbeiteten Wurfspeere aus dem  Holzbereich von Fichten und einer   Kiefer außerhalb des  Markkanals  belegen die organisierte Jagd durch den aus dem homo erectus hervorgegangenen homo heidelbergensis. Organisierte Jagd wiederum erforderten Planung und Kommunikation. Der homo heidelbergensis – Vorläufer des Neandertalers, dessen Zeit setzt in etwa  vor 200000 Jahren ein - musste über technische Fähigkeiten und ein komplexes Sozialgefüge verfügen. Entsprechend ist das Abbild des homo heidelbergensis im Museum ausgestellt, ein aufmerksam und intelligent in die Welt blickender Mensch. 

  der  homo heidelbergensis

Ein ein Sonder- Ausstellungsraum wird dem gefundenen Zahn der Säbelzahnkatze gewidmet. In Form ein wunderbar eingerichteten  Ausstellung  über die Entwicklung der Katzen.  Mit eindrucksvollen Modellen von Löwe,  Tiger und Säbelzahnkatze. Eigentlich ein Säbelzahn-Tiger, auch wenn die Tiger des Mittel-Pleistozäns nicht ganz die Ausmaße der Exemplare des Eozäns hatten.  Der Löwe war in seiner Entwicklung schon weiter fortgeschritten, das hat wohl wesentlich zum Aussterben auch der letzten Exemplare des Säbelzahntigers geführt. Der homo heidelbergensis wird jedenfalls froh gewesen sein, wenn er diesem Tier nicht begegnet  ist. Dies demonstriert das alternierend im Ausstellungsraum gedimmte Licht.
 

   Der Saebelzahntiger Im Vergleich mit Loewwe  und Tiger
  


Der Rundgang setzte sich im Ausstellungsraum auf der zweiten Etage fort, an dessen Abschluss verabschiedete sich Herr Dr. Joger. Die Exkursion-Gruppe bedankte  sich mit einem mehr als verdienten Danke und viel Beifall.


Der Rundgang durch den Raum war eine echte Herausforderung. In architektonischer Vielfalt und Eigenheit hinsichtlich der Nutzung von Betonstrukturen wird die Welt der letzten 300000 Jahre im Schöninger Raum unterhaltsam, einprägsam und verständlich vermittelt. Künstlerische Aspekte versuchen, die Verbindung zwischen der Vergangenheit und unserer Zeit zu finden. Das gilt  besonders für die Modelle des homo heidelbergensis und des Przewalski-Wildpferdes.  Integral ist das Paläon als außerschulischer Lernstandort anerkannt, auch dieser Aspekt ist in diesem Ausstellungsraum deutlich zu erkennen.  Die Vorführung im etwas separierten Filmraum baut darauf auf. 

Zu finden sind in diesem Raum auch die ausgestellten Originalspeere. Sie sind etwas deformiert durch die Auflast der 15 m starken Deckschicht,  aber ungeachtet dessen einfach nur eindrucksvoll.  Jeder kann für sich selbst beurteilen, ob er diese Speere mit seinem Wissen über das Holz und ohne Nutzung einer feingehärteten Stichsäge und eines scharf geschliffenen Fahrtenmessers  hinbekommen hätte.


     Der 2. Ausstellungsraum Ausstellungsraum im 2. OG Die Speere


Zum Abschluss der Exkursion bestand individuell die Möglichkeit zur Besichtigung der Schulungs- und Forschungsräume im 1. Obergeschoss. Die Vielfalt dieser Etage reicht von der Wissenschaflichen Forschung und Auswertung  bis zur Schulpädogogik.  


Danach war die zweitägige Exkursion beendet.  Es blieb noch Zeit  und Gelegenheit zum Besuch des Bistros für eine abschließende Tasse Kaffee bei  heftigem Wind im Außenbereich oder gemütlich im Innenbereich.
     


 Im Bistro


Weblinks

Ein Film über das Paläon

Ein Film über die Einweihung des Paläons

Ein Film über die Säbelzahnkatze

Vortrag Dr. Rahmann



Letzte Änderung: 29.08.2017