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 Ein Rundgang durch die Sonderausstellung "Jurassic Harz" des  Naturhistorischen Museums in Braunschweig

Eine Exkursion des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund am 22. Juli 2017

Herzlich begrüßt wurde die Exkursionsgruppe  des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund - besonders natürlich Dr. Jan Ilger  als ehemaliger Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums Braunschweig -  im Verwaltungsgebäude des Naturhistorischen Museums Braunschweig  von  Dr. Cathrin Hühne.  


Dr. Catrin Hühne geleitete die Gruppe  vom Verwaltungsgebäude zur Sonderausstellung  „Jurassic Harz“  des Naturhistorischen Museums  in die Hamburger Straße. Alle Exkursionsteilnehmer hatten sich für den ½ stündigen Fußmarsch entschieden.

Auf demWeg  zur Sonderausstellung Die Ausstellung Im Eingangsbereich


Der Förderverein war gut beraten, den Termin für die Exkursion so abzustimmen, dass die Sonderausstellung einen Tag vor deren Schließung noch besucht werden konnte. Denn die Ausstellung stellte sich als ein großartiges Ereignis dar. Es wird wohl nicht so einfach sein, die Vielzahl  der Exponate mit den zu Grunde liegenden Transportvorgaben  noch einmal in einer einzigen Ausstellung zu zeigen.

Dr. Cathrin Hühne führte die Exkursionsgruppe durch die Ausstellung.

Der Titel der Ausstellung „Jurassic  Harz, Dinosaurier von Oker bis Wyoming“  bezieht sich auf die in den beiden Regionen im Ober-Jura vor ca. 150 Millionen Jahren geborgenen Exponate. Im Unter-Jura  und Trias waren Amerika und Europa im Nordkontinent Laurasia noch vereinigt. Die Ausstellung Jurassic Harz hat diese Zeit berücksichtigt durch das Original-Skelett eines Plateosaurus, der bereits im Trias-Erdzeitalter  in unserer Region lebte und quasi der Urahn der   Sauropoden ist.
Die Ausstellung „Jurassic Harz“ bezieht sich aber im Wesentlichen auf ein Fenster von einigen Millionen Jahren des Ober-Jura. In dieser Zeit hatte  sich  auf Laurasia auch  zwischen Europa und Amerika bereits eine Flachmeermulde gebildet, aus dem diverse Inseln hervorgelugt haben. Eine dieser Inseln war das Massiv, auf dem auch das Gebiet um Goslar lag. Auf einem Breitengrad wie die Südspitze Floridas.  Tiere auf dieser Insel entwickelten sich auf der Lebensgrundlage weiter, die die Insel zu bieten hatte.  Verwandtschaft zu den Festlandstieren blieb aber erhalten, das beweist die Ausstellung.  1998  wurden im Steinbruch Langenberg im Goslarer Ortsteil Oker die fossilen Überreste eines Sauropoden, eines  Langhalsdinosauriers entdeckt.  Benannt Europasaurus holgeri nach seinem Entdecker Holger Lüdtke.  Was heißt fossile Überreste?  Zunächst hat Holger Lüdtke einen Zahn gefunden. Im Steinbruch Langenberg gab es  auch andere Funde, z.B. von Flugsauriern, Raubsauriern, Krokodilen, Schildkröten, Fischen, auch von Pflanzen. Insbesondere nach 1998 wurden viele dieser Exponate gefunden, nachdem der besondere Wert des Steinbruchs erkannt wurde. Ein Steinbruch mit vielen Horizonten und Schichten, die natürlich nicht nur dem Ober-Jura zuzuordnen sind.
Es gehört Mut und Fachwissen dazu, den gefundenen  Zahn als einen Sauropoden-Zahn zu bestimmen. Wissenschaftliche Freunde hat Holger Lüdtke zunächst auch nicht viele gehabt, aber insbesondere im Dinosaurierpark Münchehagen hat man ihn sehr unterstützt. Nach Untersuchung weiterer Funde war man sich sicher, dass es der Zahn eines Sauropoden war. Zunächst wurde wegen der geringen Größe auf ein Jungtier geschlossen, aber nach einer Analyse der Knochen-Wachstumsringe im Steinmann Institut in  Bonn war die  Sensation perfekt: es handelt sich um ein ausgewachsenes Tier.  Als Inselbewohner wurde Europasaurus im Laufe seiner Entwicklung offensichtlich immer kleiner bzw.  nicht größer, was ihm scheinbar das Überleben auf der Insel  gesichert hat. Ausgewachsen erreichte er maximal 9 Meter Gesamtlänge, was für einen Sauropoden etwas wenig  ist.  Hier schließt sich die Kette zum Titel der Ausstellung:  Merkmale  wie Hals nach oben, leichte , aber dadurch auch fragile Schädelknochen, große Nasenöffnungen, Becken, Luftkammern und ein Luftleitungssystem zur  Stützung des Bewegungsablaufes,  Entlastung der Knochen und zur Kühlung des Körpers (wie bei Vögeln noch heute), etc. zeigen eindeutig Verwandtschaft zu den Funden in der Morrison Formation in Wyoming in Nordamerika. Beispielsweise zum doppelt so großen Camarasaurus,  aber auch zum noch größeren  Brachiosaurus. Pflanzenfresser wie der Europasaurus. 
Erst durch die präzisen Arbeiten der Grabungsteams und der wissenschaftlichen Auswertungen  der Funde war es möglich, die Ausstellung  „Jurassic Harz“ zu präsentieren. Viele private Sammler und andere Museen wie das Aathal-Museum in der Schweiz haben zu ihrem Gelingen beigetragen. Beeindruckende  Skelette und Skelettteile in großer Zahl wurden ausgestellt. Abgerundet wurde das Programm durch eine Schaupräparation und durch einen Raum mit Filmprojektion.

Einen Schwerpunkt bildete natürlich der Europasaurus.  Ausgestellt waren das   komplett rekonstruierte  Skelett eines ausgewachsenen Tieres und eines Jungtieres davor. Knochenteile  in Vitrinen davor belegten die Korrektheit des Modells.  Im Hintergrund ein Bild des Europasaurus, so ist er wahrscheinlich durch die Jura-Wälder gezogen.  Neben dem  Modell des kleinen Europasaurus ein Modell des jungen Brachiosaurus  „Toni“ aus Wyoming. In der Ausstellung war er noch einmal zu sehen, liegend im Original.


  Europasaurus  Europasaurus Bild des Europasaurus
 

Ein auffallendes Merkmal: das Becken. Wie alle  pflanzenfressenden Sauropoden hatte auch der Europasaurier ein Echsenbecken (Saurischia). Auch die fleisch- oder aasfressenden  Theropoden (wie in der Ausstellung der Allosaurus)  hatten ein Echsenbecken. Im Gegensatz dazu  hatten die Ornithopoden (wie in der Ausstellung der Stegosaurus) ein Vogelbecken (Ornitschia).

Echsenbecken beim Europasaurus Vogelbecken beim Stegosaurus
 

Die Körperform der Saurier ist auf viel selbstragende Knochen-Elemente und auf ökonomischen Bewegungsablauf ausgerichtet. Überhaupt waren sie ökonomisch sehr effizient. Der im Verhältnis zum großen Körper relativ kleine Kopf ist nicht gleichbedeutend mit kleiner Gehirnmasse nach heutigem Maßstab, da die Schädelknochen nicht zusammenwuchsen, entsprechend gab es keine Großhirnrinde. Das ist auch der Grund, warum so wenig komplette Schädel gefunden werden. Sie sind relativ schnell in ihre Einzelteile zerfallen.  Man hat aber Gehirnmasse simuliert. Demnach hatten  die fleischfressenden Saurier eine etwas größere Hirnmasse. Sie haben das Massensterben am Ende der Kreidezeit als einzige Dinosauriergruppe in Form der den Theropoden zugeordneten Vögel überlebt.

  Sauropode in der Ausstellung Sauropode in der Ausstellung Sauropode in der Ausstellung

Fleischfressende Theropoden waren in der Ausstellung natürlich auch vertreten. Beispielsweise aus der Morrison-Formation der Top Räuber Big Al II, der König des Jura. Das vollständige Skelett eines Allosaurus.  Ein gigantischer Räuber. Zähne und Knochen von Allosaurus wurden auch im Steinbruch Langenberg gefunden. Wahrscheinlich nutzten diese Räuber den sinkenden Meeresspiegel und wanderten ein.  Der  Europasaurus war damit vernichtet, bevor das Massensterben der Dinosaurier einsetzte. 


Zähne eines anderen  Raubsauriers, eines Torvosaurus,  wurden während der Ausgrabungen des  riesigen Sauropoden Diplodocus arapahoe  in Wyoming gefunden. Das Original-Skelett des Diplodocus und die Zähne des Torvosaurus  waren in der Ausstellung zu finden. Das  27 m lange Skelett in die Ausstellung zu integrieren,  war absolute Maßarbeit. 

Der König der Saurier
  


Die Nahrung der Sauropoden entsprach dem, was es gab. Blütenpflanzen und Gräser gab es noch nicht,  dafür Farne, Koniferen, Schachtelhalme und andere Urweltliche Pflanzen (siehe auch Vortrag von Dr. Sylvia Rückheim „Die Evolution der Pflanzen“). Pflanzenfossilien aus der Morrison Formation waren Bestandteil der Ausstellung. Wie auch Exponate von versteinerten Bäumen.
Die Skelette von Europasaurus,  Diplodocus und Allosaurus   waren die Stars der Ausstellung, auch wenn  die vielen anderen detailreichen Exponate in den Vitrinen und an den Wandtafeln  wissenschaftlich nicht minder wertvoll waren.


   Vitrinen der Soderausstellungdie ausstellung Flugsaurier


Zwei Stars sind aber noch zu nennen. Zum einen das Skelett der „Wehrhaften Sarah“. Eines Stegosauriers,  geborgen in Wyoming.  Der Stegosaurier gilt als besonders wehrhaft, was er sicherlich auch war. Aber ausschließlich bedingt durch die  Stacheln am Schwanz. Die auffallend großen Rücken-Platten dienten voraussichtlich als Wärmetauscher und als Signalquelle durch Pigmentwechsel.  Der Zahn eines Stegosauriers wurde auch im Steinbruch Langenberg geborgen.     
     


 Die wehrhafte Sarah

Der letzte Star: ein winziges Exponat. Das auf der Grundlage eines gefundenen Zahnes rekonstruierte Land-Säugetier Teutonodon langenbergensis.  Einer Maus gleichend. Die Entwicklung der Säugetiere nach dem Massensterben der Dinosaurier hat hier bereits ihren Anfang genommen.

 Teutonodon langenbergensis

Ein heimlicher letzter Star: Die Schaupräparation. Hier war die Exkursionsgruppe leider ein wenig unter Zeitdruck, so dass diese Ausstellung der realen Präparation nicht ganz die  Beachtung finden konnte, die sie eigentlich wert war. 

 Schaupräparation Schaupräparation Schaupräparation


Frau Dr.  Cathrin Hühne gilt ein herzlicher Dank für die erfrischende und lehrreiche Art der Präsentation  der Ausstellung. Der Förderverein wünscht ihr und ihrem Team viel Glück und Freude bei der bevorstehenden schweren Arbeit, die Exponate wieder an ihren Originalstammplatz zu bringen.


Weblinks

Ein Film über die Ausstellung von Ralf Kosma

Dinopark Münchehagen

Steinmann Institut Bonn

Die Evolution der Pflanzen



 Letzte Änderung: 12.08.2017