Logo der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums Dortmund e.V.

Verein | Exkursionen | Projekte | Vorträge | Termine | Neues vom Museum | Impressum

 

Exkursionsbericht über den Besuch des Fördervereins im Senckenberg-Naturmuseum in Frankfurt am Samstag,  2. Juli 2016

Teil 1: Führung durch das Museum


 


Der Förderverein des Naturkundemuseums Dortmund hatte zu einer zweitägigen Exkursion eingeladen. Ziel des zweiten Exkursionstages am 2. Juli 2016 war das Senckenberg-Naturmuseum in Frankfurt. Aus der Ruhe des Messeler Berglandes in die Großstadt. Mit Hilfe des Navigationssystems war das Erreichen der Stadt Frankfurt kein Problem, aber ein Navigationssystem hilft nicht bei der Parkplatzsuche. Das Senckenberg- Museum ist mit öffentlichen Transportmitteln gut erreichbar, für Anreisende mit PKW stellt die Anfahrt ein Problem dar. Aber nach einiger Zeit war ein geeignetes Parkhaus gefunden und mit Regenbegleitung erreichte die Exkursionsgruppe das Museum.

Bereits äußerlich wirkt das Museum trotz der nahen Baustellenbereiche imposant. Der relativ kleine Geogarten vor dem Gebäude ist lehrreich gestaltet und sehr gepflegt.

Die Baustellenbereiche künden den großen Umbau des Senckenberg-Naturmuseums an. Im Zuge dieses Umbaus wird es auch einen wesentlich größeren Geogarten geben. Unter anderem diese Informationen erhielten die Exkursionsteilnehmer im Rahmen einer 1 ½ stündigen Führung durch das Museum von dem Museumspädagogen Anatoli Liontikow, der die Exkursionsgruppe im Eingangsbereich des Museums bereits erwartete.

Herr Liontikow. berichtete zunächst einiges über die Geschichte des Hauses. Das Senckenberg -Naturmuseum ist dem Forschungsinstitut Senckenberg angegliedert, das wiederum Bestandteil der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist. An der Gründung dieser Gesellschaft war maßgeblich Johann Wolfgang von Goethe beteiligt.

Das Museum befand sich ursprünglich am Eschenheimer Tor in Frankfurts Innenstadt. Nach drei Jahren Bauzeit wurde es 1907 am heutigen Standort im Westend eröffnet. Es ist derzeit mit ca. 6000 m² Ausstellungsfläche das zweitgrößte Naturmuseum in Deutschland und wird nach dem Umbau mit vorgesehenen 10000 m² mehr Ausstellungsfläche haben als das derzeit größte Naturmuseum in Berlin. Der Umbau wird ca. 5 Jahre in Anspruch nehmen, eine Schließung des Museums ist aber nicht vorgesehen. Möglich ist die Vergrößerung der Ausstellungsfläche durch Umzüge (Uni- Fakultäten und Physikalischer Verein beziehen andere Räumlichkeiten). Die Sternwarte wird der Physikalische Verein nach dem Umbau an diesem Standort weiter betreiben. Ein Glücksgriff für das Senckenberg-Museum.


 

Erster Ausstellungsraum der Begehung war der Dinosaurier-Lichthof. Hier wird eine in Deutschland einzigartige Sammlung mit Originalen und Repliken von Dinosaurier-Skeletten präsentiert. Das älteste Exemplar ist ein Echsenfuß-Dinosaurier (Sauropodomorpha) mit eindrucksvollen Ausmaßen. Ein Geschenk des Naturkundemuseums New York anlässlich der Eröffnung des Senckenberg-Museums 1907. In den USA hatte man eine Fundstelle mit über 20 Tieren gefunden, davon nahezu 6 vollständige Skelette. Am Frankfurter Exemplar sind nur der Schädel und einige Wirbelsäulen-Knochen Repliken (nachgebildet aus Originalfunden).

Die in Frankfurt ausgestellten Dinosaurier stammen überwiegend aus Nordamerika, einer der klassischen Fundregionen für mesozoische Reptilien. In jüngster Zeit stammen viele der Neufunde aus China.

Für einen gut erhaltenen Entenschnabel-Dinosaurier (Edmontosaurus annectens ) wurde ein eigener Raum geschaffen. Es fehlen nur ein Bein und ein Stück vom Schwanz. Das einzige Originalskelett in Europa, weltweit gibt es nur fünf Exemplare. Selbst die Struktur der Haut ist erkennbar. Hals und Vorderfüße sind stark nach hinten gekrümmt. Dies lässt vermuten, dass dieser Dinosaurier bereits zur Mumie vertrocknet war, bevor sandige Ablagerungen den Körper bedeckten.

Das laut Herrn Liontikow mit Abstand bekannteste Exponat des Museums ist eine südamerikanische Anakonda (Eunectes murinus), die gerade ein Wasserschwein (Hydrochoerus hydrochaeris) verschlingt. Dieses Ausstellungsstück ist seit 1927 im Museum, der Präparator ist nicht bekannt. Zur Präparation hat er Original-Tiere verwendet. Es ist ihm gelungen, Generationen erschaudern zu lassen.

Weitere Stationen des Rundganges: Die Gesteins-und Mineraliensammlung ist neu gestaltet. Insbesondere für die Mineralien-Experten der Dortmunder Gruppe war dieser Bereich ein besonderer Ausstellungsbereich, eindrucksvolle Stufen waren zu bewundern. Heimliche Highlights sind jedoch die Meteoriten-Exponate.

Im 1. OG ein kurzer Einblick in die Säugetierabteilung mit fantastischen Präparaten, z.B. eines Gorillas.

In der Abteilung Menschen wirken insbesondere „Lucy“ und der Kopf eines Neandertalers. Lucy ist der Star unter den Hominiden. Es zeigt das Skelett eines Australophiticus afarensis mit einem Alter von 3,2 Millionen Jahren. Dem Neandertaler, dem „Alten Mann von le Chapelle“, sind nur noch wenige Zähne geblieben.

Den Abschluss der Führung bildet das Original einer 140 Millionen Jahre alten Rippe eines Dinosauriers. Diese sieht an einigen Stellen etwas abgegriffen aus. Nicht ohne Grund: Die Mitarbeiter des Museums versuchen, alte und junge Menschen zu begeistern. An einigen Exponaten weisen Schilder darauf hin, dass diese Exponate angefasst werden dürfen. So wie diese Rippe. Insbesondere Kinder sollen auf diesem Wege begeistert werden. Wer hat schon mal einem Dino an die Rippe gegriffen? Ansonsten dürfen die Exponate nicht angefasst werden. Was nicht immer eingehalten wird, Vandalismus ist ein erhebliches Problem. Es mag dem Vater eines sechsjährigen lustig erscheinen, wenn dieser am Stoßzahn eines Elefanten Aufschwung übt, für die Präparatoren des Museums ist das überhaupt nicht lustig.


  Ein Ur-Elefant


Viele weitere Informationen wurden von Anatoli Liontikow vermittelt. Auch praktische Erfahrungen aus dem täglichen Museumsleben wurden ausgetauscht.

Die Exkursionsgruppe bedankt sich sehr herzlich bei ihrem Guide.

Im Anschluss an die Führung hatte jeder Exkursionsteilnehmer Gelegenheit, weitere Ausstellungsbereiche zu besuchen oder im Museums-Café ein wenig zu entspannen. Alle Teilnehmer nutzten beide Gelegenheiten. 


Teil 2: Führung "Hinter den Kulissen"


Hinter den Kulissen


Nachmittags hatte sich der Leiter des Museums, Herr Dr. Bernd Herkner, Zeit genommen, den Exkursionsteilnehmern das Museum  "Hinter den Kulissen" zu zeigen. Hier ist das eigentliche Herz des Senckenberg-Museums. Herr Dr. Herkner und seine Mannschaft stellen den Ausstellungsbereich des Museums auf wissenschaftlich korrekte und aktuelle  Grundlage, besorgen eine für den Besucher attraktive Gestaltung des Museums,besorgen die Instandhaltung (das ist nicht immer so einfach, Vandalismus im Museum durch Besucher sort für völlig unnötige Arbeit und behindert die Bearbeitung neuer Projekte), sichern die Kosten ab etc. Neben der Routinearbeit stehen große Augaben vor der Mannschaft, im Zuge des Umbaus sind die neuen Ausstellungsräume zu organisiern, die Archivierung und die Dokumentation möglichst auf digitale Grundlage zu stellen usw. Nicht so einfach  bei 36 Millionen Sammlungsobjekten. Nur 10 % davon werden in den Ausstellungsräumen gezeigt.

Herr Dr. Herkner gab viel  Wissen preis, welches das Naturkundemuseum in Dortmund während dessen Umbaus und nach dem Umbau nutzen kann. Er erklärte in Fertigung befindliche Präparate, die das Senckenberg-Museum sicherlich bereichern werden. Alle Präparate werden auf der Grundlage  strenger wissenschaftlicher Recherche erstellt.

Diese und viele weitere Informationen machen die Führung zu einem einzigartigen Ereignis.

Folgende wurden begangen::
Archiv der Käfersammlung
Sieb- und Digitaldruck
Fotografie
Präparationswerkstätten  mit Geologischer Präparation und Zoologischer Präparation
Schlosserraum
Funktionsräume (Kunsstoffraum, Sandstrahlraum)
Die Tischlerei und die Elektrowerkstätten sind derzeit in einem anderen Raumkomplex.

Mit der Rückkehr in die Ausstellungsräume endete eine 2-stündige Begehung der Superlative. Die Exkursionsgruppe bedankt sich sehr herzlich bei Herrn Dr. Herkner.

Damit endete eine zweitägige Exkursion, die allen Teilnehmern ausnahmslos gut gefallen hat.  Die Rückfahrt nach Dortmund verlief ohne Probleme. 

 

Letzte Änderung: 08.12.2016