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 Eine Exkursion des Fördervereins

in das Mineralienmuseum in Essen-Kupferdreh

am 11. Februar 2017


Ziel der heutigen Exkursion war die Stadt Essen mit dem Mineralienmuseum in Essen-Kupferdreh. Essen, die Grüne Hauptstadt  Europas 2017. Ein berechtigtes  Prädikat, das auch auf den Stadtteil Kupferdreh und mit dessen  naher  und ferner Umgebung zutrifft. Der trübe Februartag lässt die Kupferdreher Straße mit dem Mineralienmuseum diesbezüglich ein wenig in den Hintergrund treten, aber insbesondere das  Mineralienmuseum lässt den grünen Charakter erkennen. Eine Einladung für  den Frühling und für den Sommer.
Das  Mineralienmuseum ist  auf einem seichten Hügel gebaut, das gibt dem  denkmalgeschützten Gebäude aus Ruhrsandstein  ergänzend  einen ehrwürdigen Charakter.



Die Exkursionsgruppe des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund wurde von der Museumspädagogin  Frau Dr. Rückheim begrüßt.  Frau Dr. Rückheim ist auch Mitglied im Förderverein, das verlieh der Führung einen familiären  Charakter.


Die Führung begann im obersten Stock im „Lehrerzimmer“.  Das Museum war bis  1968 eine Schule. 1868 wurde sie gegründet,  zunächst  als Volksschule, dann ging sie in eine Berufsschule über.  Eine von dem „Historischen Verein für Stadt und Stift Essen e.V. “  errichtete Tafel  vor dem Museum erinnert an die Historie des Hauses.  Das  Haus ist in den Denkmalpfad Essen- Kupferdreh eingebunden,  der  zu historischen  Stätten in Kupferdreh einlädt.
Eine rege Kupferdreher Bürgerschaft und die Absicht des bis dahin noch Essener Bürgers  Oswald Hänisch, seine Mineraliensammlung in Form einer Ausstellung der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, führte 1984 in Kooperation mit dem Essener Ruhrlandmuseum zur Gründung  des Mineralienmuseums Essen-Kupferdreh.  Damals beherbergte die Ausstellung  zwei Räume, die weiteren  Räume wurden sukzessiv für Sonderausstellungen  genutzt. Einen Überblick über die Sonderausstellungen gibt eine in der Internetseite des Museums  aufrufbare  Unterlage „20 Jahre Mineralien-Museum Essen“.
Mit der Schließung des Ruhrlandmuseums   im Jahr 2007 gab es einen erneuten Einschnitt, auch in der administrativen Abwicklung. Träger des in der Kohlenwäsche der Zeche Zollverein  integrierten neuen Ruhr- Museums wurde eine Stiftung.  Das  Mineralienmuseum  Essen-Kupferdreh  ging in diese Trägerschaft  über.  Im Zuge  des Umzugs der mehrere   Millionen Exponate umfassenden Sammlung   übernahm das   Mineralien-Museum  Kupferdreh  einen Teil der Exponate der naturkundlichen Sammlungen, die nicht mehr in das Konzept der Ausstellung auf Zollverein passten. Das Ruhrmuseum auf Zollverein ist nach Maßgabe des Stifters darauf ausgerichtet, die Geschichte des Ruhrgebiets mit den sozialgeschichtlichen Aspekten auszustellen.   Auf der Sonderausstellung „Steinreich“ auf Zollverein   war ein Teil der im Keller lagernden und nicht mehr in das Konzept passenden Exponate ausgestellt  (Siehe Besuch der  Ausstellung durch den Förderverein am 16.08.2015 unter „Exkursion“).  
Sonderausstellungen gab es ab 2007 nur noch auf Zollverein,  das Mineralienmuseum in Kupferdreh  verstärkte dagegen seinen familiären und kinderfreundlichen Charakter.  Ein Museum zum Anfassen (zumindest fast alles), für Kinder ein Highlight. Im Rahmen von organisierten  Kindergeburtstagen im Mineralienmuseum selbst und  im Umfeld von Kupferdreh, zum Beispiel in einer dreistündigen Fossilen- Jagd am Baldeneysee mit  der Fossiliensuche auf der Abraumhalde der ehemaligen Zeche Pörtingssiepen, erfahren die Kinder vieles über unsere Natur und können sich gleichzeitig viel bewegen.  Auch Sylvia Rückheim macht entsprechende Führungen, sie zeichnet sich dafür durch Fachwissen und durch Kinderfreundlichkeit aus.  
Das Fenster im Lehrerzimmer gibt einen Blick auf die  Werkstatt frei. Hier  können naturkundliche  Exponate  präpariert werden.  Auch die VHS Essen ist hier zu Gast.

Der Klang der Steine 1 Der Klang der Steine 2

Eine der seinerzeitigen Sonderausstellungen hatte den Titel  „Der Klang der Steine“. Diese Sonderausstellung war damals so gut besucht,  dass sie in die heutige  Dauerausstellung integriert wurde.  Ein Raum mit Exponaten dieser Ausstellung befindet sich in der obersten Etage, direkt neben dem Lehrerzimmer bzw. einem heutigen Museumspädagogik Raum.  Das Konzept des Ruhe-Raumes:  Man kann das Geräusch von Steinen auch wahrnehmen,  wenn man sie nicht anstößt. Der abgedunkelte Raum soll das diesbezügliche Bewusstsein zur Wahrnehmung stärken.  Auch zur Wahrnehmung, welche Geräusche  die unterschiedlichen Steine gemacht haben, als sie so geformt wurden wie sie heute sind.

    Der Klang der Steine 2 

Eine Etage tiefer der Teil der  Ausstellung  „Klang der Steine“,  in dem die Geräusche durch mechanische  Anregung der Steine erzeugt werden.  Mit einer großen Klangvielfalt. Verschiedene Arten von Steinen können  zum Schwingen und als Folge zum Klingen gebracht. Besonders beeindruckend  die großen, glockenförmigen  Klangschalen aus Quarzglas.  Das Quarzglas ist ein  „Abfallprodukt“ der Computerchip-Herstellung.  An diesen Schalen kann man die Schwingungen nicht nur hören, sondern auch fühlen.  Lithophone  laden zum Spielen ein, im Kiesbett kann man feststellen, welche Geräusche rollende Kiesel und rieselnder Sand machen, usw.


Ein besonders wertvolles Exponat der Stein- Ausstellung steht in einem kleinen Nebenraum: Die Replik eines Klangsteines von Elmar Daucher.  Der Bildhauer Elmar Daucher hat durch Einschnitte in den Quader aus schwarzem schwedischen Granit Säulen stehen lassen, die durch leichtes streichen, besonders bei Stützung mit  Wasser, zum Schwingen angeregt werden und für unser Ohr liebliche Töne erzeugen. Die Tiefe der Einschnitte mit der resultierenden Tonvielfalt hat Daucher selbst errechnet.  Auf einer Schautafel im Museum erfolgt der Hinweis: „Verglichen mit den Klangfiguren Chladnys scheinen die Klänge der schwingenden Säule ein äußerst komplexes Gebilde zu sein“. Ein herausfordernder Satz, der zu einer Studienarbeit anregt.

Die Exkursionsgruppe verlässt die Steine -  die von den Teilnehmern natürlich auch aus geologischer Sicht betrachtet und diskutiert wurden - und setzt die Führung in den beiden Räumen fort, die ursprünglich das Mineralienmuseum beheimateten.  Der erste Raum befasst sich grundsätzlich mit dem  Zeitalter des Karbons. Nicht nur dem Zeitalter des Karbons zuzuordnen sind die Gräser, die in   Schautafeln an den Wänden aufgehängt sind.  Ein aufgeklapptes Herbarium.  Im Verhältnis zu den übrigen Exponaten im Raum rücken diese Schautafeln ein wenig in den Hintergrund, aber sie stellen doch ein sehr wichtiges Kulturgut unserer evolutionären Entwicklung dar. Es wäre schön, wenn diese Sammlung  „bei Gelegenheit“  in einer Datei katalogisiert wird. 
Die Exponate des Karbons repräsentieren Ausstellungsstücke aus Halden- Funden, überwiegend in einer hervorragenden Qualität.  Die Mitte des Raumes wird zur Darstellung des Inkohlungsprozesses genutzt.  Sylvia Rückheim erläutert, mit welch einfachen Mitteln sie den Kindern bei Führungen den Inkohlungsprozess erläutert. Die Temperatur spielt dabei genauso wie im originalen Prozess eine mit entscheidende Rolle.

Aus der Mineraliensammlung

Der nächste Museumsraum ist  betitelt mit  „Wunderkammer Natur“.  Die Exkursionsteilnehmer überzeugen sich davon:  das ist nicht übertrieben. Beeindruckend z.B.  die Mineralien-Exponate.   An einer Wand  Zeichnungen  von August Haeckel.  Er hat die  Faszination der Natur gezeichnet, zum Beispiel mit der Darstellung von Plankto-Organismen.   Grafiken, die einer heutigen Rechnergrafik ebenbürtig  sind.  Eine weitere Wand  hat das Thema „Wunderkammer Kalk“. Die  ungeheure Vielfalt des Calciumkarbonats in unserer Evolution wird  aufgezeigt.  Und auch in diesem Raum ist eine Herbarium Wand eingerichtet.

Die schoene Treppe Ammoniten Saurier Kot

Die Exkursionsgruppe verlässt die „Wunderkammer Natur“ und geht über die schöne Treppe - wer weiß, welche ehrwürdigen  Essener Bürgerin oder Bürger zur Schulzeit über diese Treppe gegangen sind – und betritt die letzten Ausstellungsräume.  Die es  noch einmal in sich haben. 
Zunächst der Raum mit „Tieren der Urzeit“.  Einen Schwerpunkt dieses Raumes bilden – für Kinder unerlässlich-  die  Saurier: Dinosaurier, Flugsaurier, Fischsaurier, Paddelechsen…  Mit ihren Knochen , Eiern, Fußabdrücken  und  Kothaufen. Die Kothaufen sind  Mittelpunkt bei Kindergeburtstagen, genauso wichtig sind sie aber auch für  Wissenschaftler:  Aus Kothaufen (Koprolithen) lässt sich rekonstruieren, wo und wie die Saurier gelebt haben.
 Ein interessantes Objekt :  der Holzmadener Ichthyosaurier.  Ein Original, von Bernhard Hauff  im Jahr 1886 selbst präpariert.  Die Holzmadener Fossilien im Schiefer der schwäbischen Alb sind von spielenden Kindern entdeckt worden.   Familie Hauff, Besitzer des Steinbruchs, erkannten ihren Wert und veranlassten den Sohn Bernhard Hauff zur Präparation. Ein Teilnehmer der  Dortmunder Exkursionsgruppe  war der Präparator des Naturkundemuseums Dortmund, Manuel Pauser.  Der sich natürlich für dieses Exponat besonders interessierte und von der Hauffschen  Präparation  beeindruckt war, aber auch einige Einzelheiten fand, die Hauff vielleicht noch etwas besser hätte machen können. Nur das geübte Expertenauge kann diese Einzelheiten erkennen.  Jedenfalls kann sich das Naturkundemuseum Dortmund wertschätzen, solch einen  Mitarbeiter in den eigenen Reihen zu haben.

Nachdem Sylvia Rückheim auch  die Geheimnisse der Wand mit Ammoniten aller Größe entschlüsselt  hatte, konnten  die Exkursionsteilnehmer den letzten Ausstellungsraum des Museums besuchen.
Der Titel dieses Raumes: „Mammut, Mensch und Feuerstein“.  Ausgestellt ist die Evolution der Wirbeltiere inklusive ihres Abzweiges Evolution des Menschen.  Mit plastischen und illustrativen Original-Exponaten und Repliken. Viel Lehrreiches ist zu entdecken.


Zum Abschluss besuchte die Exkursionsgruppe die Werkstatt. Hier werden von den Kindern Abdrücke von Originalfossilien gemacht, Fossilienfunde bearbeitet, Steine bearbeitet , Steinzeitmesser erarbeitet, Mineralien geschliffen  etc. Ein handwerkliches Paradies, das auch durch  Erwachsene, unter anderem der  Volkshochschule Essen, genutzt wird. Das hat nicht jede Stadt zu bieten, man muss im Umfeld schon lange suchen. Was wird in Dortmund sein?
Sylvia Rückheim wies besonders auf die Symbiose des Ruhrmuseums auf Zollverein  und seiner Zweig-und Außenstellen hin. Zweigstelle ist das Mineralienmuseum Kupferdreh.  Außenstellen sind  die Geologische Wand Kampmannsbrücke, der Halbachhammer, die Margarethenhöhe, die Kulturlandschaft Deilbachtal sowie der Geologische Wanderweg am Baldeneysee. Die Dortmunder Gruppe hofft, dass sich die Symbiose auch in wirtschaftlichen Investitionen  für das Mineralienmuseum Essen auswirken wird.    
Damit endete dies Exkursion.  Einige Teilnehmer nutzten den Aufenthalt in Kupferdreh noch zum Besuch eines nahe gelegen Eiscafés.

Weitere Bilder der Exkursion



  

Letzte Änderung:22.02.2017