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 Die  Halde Schöttelheide des Bergwerks Prosper-Haniel

Eine Exkursion des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund am 22. Mai 2016

Mit einem herzlichen Glückauf begrüßte Herr van Bernum, Mitarbeiter der Ruhrkohle AG, die Gruppe des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund anlässlich deren Exkursion zur Halde Schöttelheide in Bottrop.

Die Halde Schöttelheide ist eine von insgesamt zwei aktiv genutzten Abraumhalden des Bergwerks Prosper-Haniel. Diese Zeche fördert voraussichtlich noch bis Ende 2018 Rohkohle, danach erlischt die stolze Vergangenheit der Kohleförderung im Ruhrgebiet.

Der Förderverein hatte zu dieser Exkursion eingeladen, quasi als letzte Gelegenheit, eine Halde in Schüttung  zu erleben und die  Möglichkeit zu haben, dort nach Abdrücken aus dem Zeitalter des Karbons zu suchen und  ggf. Mineralien zu finden.
Man kann ohne Übertreibung feststellen, dass diese Exkursion ein Erlebnis der Superlative war. Ein besonderer Dank  gilt Herrn van Bernum, der wesentlich zum Gelingen der Exkursion beigetragen hat. Auch das Rahmenprogramm war bemerkenswert: der angekündigte Regen setzte erst zum Abschluss der Exkursion ein, die Probe für die Wagner-Oper „Der Fliegende Holländer“ im Amphitheater auf der Halde Haniel war ein besonderes Ereignis.

Treffpunkt war  um 9.00 Uhr der Parkplatz Schacht Franz-Haniel des Bergwerks Prosper-Haniel. Der Förderturm steht noch über dem Schacht, aber Kohle wird dort nicht mehr gefördert. Heute wird über Schacht 9 & 10 eingefahren und Material transportiert. Die Gewinnung der Kohle erfolgt in ca. 1300 m Tiefe im Bereich der 7. Sohle im Grubenfeld Kirchhellen. Die gewonnene Kohle wird zusammen mit dem beim Abbau gelösten Nebengestein (Rohkohle) über den sogenannten Förderberg zutage gefördert. Diese Art der Förderung mittels eines 3.745 Meter langen, ansteigend   nach oben verlaufenden mächtigen  Förderbandes ersetzt die im ungünstigeren Verhältnis dazu stehende  Schachtförderung.

Abweichend vom vorgesehenen Exkursionsprogramm hatten wir dank Herrn van Bernum Gelegenheit, die Ankunft des Förderbandes vor der Aufbereitung auf dem Standort Prosper II zu besichtigen. Nach 10 minütiger Autofahrt erreichten wir diesen Standort und erlebten einen Teil  Industriegeschichte, der in dieser Form im Ruhrbergbau einmalig ist  und in drei Jahren wahrscheinlich so nicht mehr erlebt werden kann. Ein kleiner Nachteil war der Sonntagstermin, die Produktionsanlagen standen still. Aber die Besichtigung während des laufenden Betriebes soll separat verabredet werden. Im gut erhaltenen Malakoffturm (mit einem später eingezogenen Förderturm) ist ein Museum zur Bergbau-Geschichte eingerichtet. Der an ein historisches Festungsbauwerk erinnernde Turm bietet dazu einen würdigen Rahmen. Dagegen stehen die auf höchstem technischen Niveau errichteten Aufbereitungsanlagen, eine Demonstration deutscher Bergbautechnik. Zeitbedingt konnten wir das Aufbereitungsgebäude nur zu einem Teil in direktem Kontakt ansehen.  Eindrucksvoll ist der Blick in die Tiefe des Bergwerks an dem über Tage  ankommenden Förderberg. Dieser Bereich ist  explosionsgeschützt, fotografieren mit der Digitalkamera ist streng verboten. Auf eine Analogkamera mit mechanischem Bild-Transport war keiner der Teilnehmer eingerichtet.  Beeindruckend ist auch das Förderband selbst. Es werden 2000t/h Rohkohle zutage und gleichzeitig 1000t/h Berge zurück in die Grube gefördert. An den Antrieben befinden sich  Sichtgerätestationen des über Glasfaserkabel verbundenen firmeninternen Kommunikationsnetzes, dass eine hohe Ausfallsicherung der technischen Einrichtungen gewährleistet. 

Nach einem Rundgang durch die riesige Mischkohlenanlage (Fassungsvermögen  29.000 t Rohkohle) mit der architektonisch als schön zu bezeichnenden runden Kuppel und einem Blick in die Waschkaue wurde die Exkursion anschließend an der Bergeverladung Franz-Haniel fortgesetzt. Dorthin gelangt das Bergematerial  über den Förderberg (zurück in die Grube) und danach über weitere Bandanlagen unterirdisch vom BW- Prosper II zum BW- Franz-Haniel und wird letztendlich über den Förderturm auf dem BW- Franz-Haniel (Skipförderung) erneut zutage gefördert. Damit konnte der Bergetransport mittels LKW über öffentliche Straßen eingestellt werden.

Am Bergebunker Franz-Haniel werden Schwerkraftwagen (SKW) beladen, die die Berge weiter zur Halde Schöttelheide transportieren. Unser Ziel waren die Bergehalden Haniel und Schöttelheide. Die Halde Haniel ist bereits ein fertiggestelltes Landschaftsbauwerk und soll an RAG MI bzw. den RVR übertragen werden. Entsprechend ist die Fahrt nach oben auf die Halde unproblematisch. Ein Zwischenstopp bietet das erste Mal eine imposante Aussicht in die Umgebung und zeigt die sich entwickelnde Flora. Wir parken vor dem Amphitheater und stoßen auf ein reges Treiben, heute findet eine echte Probe für den „Fliegenden Holländer“ statt. Es ist schon eine besondere Atmosphäre: Die Halde, der Ausblick, die Statisten, der Eingangschor, ein drängender Regisseur. Natürlich gehen wir auch noch zur Spitze der Halde und genießen den Blick durch die Skulpturen der bunten Totems aus Eisenbahnschwellen. Auf der anderen Seite ein Blick auf den Kreuzweg und auf das „Gipfelkreuz“. Es steht zwar nicht auf dem Gipfel der Halde, ist aber Gipfelkreuz des Kreuzweges. 1992 wurde das Gipfelkreuz aufgestellt, das anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. am 2. Mai 1987 von Auszubildenden des Bergwerkes aus Spurlatten angefertigt und durch Bischof Franz Hengsbach am Karfreitag desselben Jahres gesegnet wurde. Ein kleineres Kreuz auf einer Wiese davor ist errichtet zum Gedenken an einen Mountainbiker, der zu übermütig war und dort tödlich verunglückte. Es sollte eigentlich eine Warnung sein, aber viele Mountainbiker -auch am heutigen Tag- stören sich nicht daran. 

Die Exkursion hatte jetzt schon sehr viel geboten, die  Halde Schöttelheide bot dann noch den krönenden Abschluss. Zur Fahrt auf dieser Halde braucht man einen geländetauglichen Wagen. Herr van Bernum hat zwar nicht solch einen Wagen wie die riesigen 45-Tonner (+ 60 t Zuladung), welche die Bergeverladung durchfuhren, aber sein Wagen meisterte die Halde gut.  Die  Schöttelheide mit einer Grundfläche von 67 ha befindet sich in Schüttung. Insgesamt sollen auf der Halde 15,8 Mill. m³ Bergematerial gelagert werden. Täglich werden ca. 6000 Tonnen Berge aufgeschüttet. Diese große Menge erfordert eine ausgefeilte Logistik. Es wird ja auch nicht einfach so abgekippt. Die Aufhaldung orientiert sich an der im Betriebsplan festgelegten Gestaltung als Landschaftspark. Die Bergbehörde überwacht die Einhaltung der Vorschriften. Auch der Wasserhaushalt unterliegt dem behördlichen Verfahren. Die Haldensohle wasserundurchlässig abgedichtet, ein Drainagesystem leitet das Wasser in die Emscher ab.  Derzeit betreibt noch die Ruhrhohle die Halde, nach endgültigem „Aus“ des Bergwerkes Prosper-Haniel übernimmt voraussichtlich der RVR auch diese Halde.

Im Anschluss an die Rundfahrt auf der Bergehalde Schöttelheide hatten wir Gelegenheit, in den abgekippten Bergen aus dem flözführenden Oberkarbon nach Fossilien und Mineralien zu suchen und auch zu finden. In der besonderen Atmosphäre der Halde konnte man sich gefühlsmäßig in die Karbonzeit zurückversetzen und die tropische Pflanzenwelt des damaligen Erdzeitalters beobachten. Jedes in die Hand genommene Stück hatte eine ganz  besondere Aussagekraft. Im Vergleich mit den Fundstücken am  Piesberg bei Osnabrück sind die dortigen Fundstücke im Regelfall attraktiver, aber dies unterliegt auch einer subjektiven Bewertung. Jedenfalls konnten wir die damalige Pflanzenwelt gut erkennen, so wie sie sich vor 320 Millionen Jahren in unserer Region präsentiert hat. Zu der Zeit lag unsere Region noch südlich des Äquators.

Zufrieden machten wir uns um ca. 15.30 Uhr an den Abstieg, erst jetzt setzte Regen ein. Dieser und die teilweise schweren Fundstücke forderten uns dann doch noch ein wenig heraus.


Mit einem herzlichen Glückauf verabschiedete sich die Gruppe.

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Schöttelheide

Stigmaria  Anularia   Calamatis   Lepidodendron   Kalamiten


 



 

     



Letzte Änderung: 08.12.2016