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 Ein Rundgang durch das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig

 in Bonn

Eine Exkursion des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund am 22. Juni 2018

Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig  in Bonn liegt heute direkt an der Bundesstraße 9.  Im Jahr 1912,  als Alexander Koenig  seine Planungen zum Bau  eines einheitlichen Museums zwecks Erweiterung seiner ornithologischen Sammlungen in die Tat umsetzen  konnte, war das anders.  Ein Prunkbau auf der grünen Wiese entstand, nahe Bebauung und turbulente Straßen gab es nicht.

Heute  lassen große umliegende Bauten und der rastlose und drängende Verkehr auf der B 9  eine Betrachtung des in den Kriegen  nicht zerstörten und immer noch  imposanten Gebäudes aus dem  Auto heraus kaum zu.  Man muss den festen Willen haben, dieses Museum zu besuchen, dann öffnet sich der Blick für die Architektur  und für die Natur. Die Exkursionsgruppe des Fördervereins des Naturkundemuseums Dortmund hatte diese feste Absicht  und wurde  mit einem herausragenden naturkundlichen Event belohnt.

Neben der Naturkunde ist  die Gebäude-Architektur  bemerkenswert.  Das gesamte Museums-Ensemble, das sind die Gebäude, Tiergehege und Parkanlagen, ist  aufgrund  seiner wissenschaftshistorischen Bedeutung denkmalgeschützt. Die Gebäude sind die Privatvilla Alexander Königs (ein Geschenk der Eltern  aus dem Jahr 1884; der erste Teil des Gebäudekomplexes, der leider infolge Kriegszerstörung neu aufgebaut werden musste), der Anbau an die Villa mit der Ornithologischen Privatsammlung von Herrn Koenig, das Hauptgebäude  und der Clas M. Naumann-Bau mit Sammlungen von Gliederfüßern,  dem Molekularlabor und der Bibliothek.  Clas M. Naumann-Bau und Hauptgebäude sind durch einen Glastunnel miteinander verbunden.  Ein weiteres Gebäude wird derzeit in Bonn Poppelsdorf gebaut. Dieses wird die Nähe zur Forschung der Universität Bonn prägen (die biologische Fakultät der Universität Bonn befindet sich in Poppelsdorf)  und wird auch die analoge und digitale Bibliothek und die  Infrastruktur für die digitale Plattform (Server etc.)des Museums  beherbergen. 
  
Ziel der Exkursion war das  Hauptgebäude. Dieses hat sich hinsichtlich der  äußeren Fassade nicht verändert. Es ist gekennzeichnet durch hervorgehobene  Sandsteinquader, schöne   Rundbogen-Fenster, Sandstein Reliefs und einem mit Säulen besonders hervorgehobenen Eingangsbereich.

 

Ein Hinweisschild am Eingang verweist auf das Leibnitz- Institut für Biodiversität.  Das Museum Koenig ist ein Mitglied der Leibniz Gemeinschaft, der  86 Forschungsinstitute mit  Ausrichtung auf Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften angehören.  Als Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere hat das Museum Koenig seine Forschung im Bereich der Zoologie um  aktuelle Probleme der weltweiten Biodiversität erweitert. Das Bienensterben ist nur ein Schlagwort für dieses weltweite Problem, welches das Gefüge der Evolution in beträchtliches Wanken bringen kann und nach Ansicht vieler Wissenschaftler  schon ins Schwanken gebracht hat.




Ein stolzes Gebäude lädt zum Besuch ein.  Im Inneren wurde die Exkursionsgruppe  herzlich von Hendrik Denkhaus begrüßt.  Hendrik Denkhaus hat im Rahmen seines Studiums  für das Zoologische Forschungsmuseum Alexander König gearbeitet.  Speziell war  er auch  im Forschungsbereich  der Theriologie von Herrn Dr. Jan Decher tätig. Derzeit ist er  als Volontär im Naturkundemuseum Dortmund beschäftigt und wird hier seinen weiteren  beruflichen Weg vorbereiten.



Einleitend vermittelte Hendrik Denkhaus anhand von historischen Archivbildern Informationen zu der Geschichte des Hauses sowie des Lebens von Herrn Dr. Alexander Koenig.

Die Eltern  Alexander Koenigs  hatten ihr Stammhaus in St. Petersburg. Sie waren  durch Produktion und Vertrieb von Zucker aus Zuckerrüben insbesondere  in Russland  sehr wohlhabend geworden. Alexander Koenig wurde noch in St. Petersburg geboren, die Familie siedelte aber 1867 nach Bonn über.  Da war Alexander neun Jahre alt. Familie Koenig erwarb eine Villa, die sie 1901 an Rudolf Hammerschmidt verkaufte.  1950 erwarb der Bund  diese  Villa und machte daraus  den ersten bzw. heute den zweiten Amtssitz unseres Bundespräsidenten.  Ein Polizeiaufgebot an der Adenauerallee deutete die Vorbereitung des „Tages der offenen Tür“  in der Villa Hammerschmidt am 24.06.2018 an. Bundespräsident Steinmeier war an diesem Tag in Bonn.  Grundsätzlich könnte die Villa Hammerschmidt auch Villa Koenig heißen.



  

Alexander Koenig widmete sein Leben der Zoologie, bereits im jugendlichen Alter sammelte er Tierpräparate und interessierte sich für Tierpräparationen.   Als studierter   Zoologe setzte er diese Sammlungen und Arbeiten fort,   Forschungsreisen  führten ihn  in die arktische Region  sowie ins nördliche Afrika.  Seine Arbeiten und Sammlungen dokumentierte   er im aufgeführten  Gebäudeensemble.  Im Hauptgebäude allerdings erst ab 1929, der 1912 begonnene Bau wurde im ersten Weltkrieg beschlagnahmt und bis 1926 als Lazarett genutzt.  Die Inflation hatte auch das Vermögen von Alexander Koenig aufgezehrt, er konnte alleine die Mittel zur Fertigstellung des Baues und zur Einrichtung des Museums nicht aufbringen.  1929 stiftete er das Gebäude unter der Vorgabe, es als Naturkundemuseum fertig zu stellen, dem Deutschen Reich.  1934 wurde das Museum eröffnet, die schmiedeeiserne Inschrift  über der Eingangstür ist  aus dieser Zeit erhalten.


Natürlich gingen auch die Turbulenzen des 2. Weltkrieges nicht am Museum vorbei. Die Absicht der Nationalsozialisten, einen Krieg zu führen, dokumentiert die bereits 1938  aufgezwungene teilweise Nutzung des Gebäudes als Luftschutz-Rettungszentrale sowie als Zentrale für einen Sicherheits- und Hilfsdienst. Im Weltkrieg wurden Exponate teilweise ausgelagert, ab 1943 war das Museum ganz geschlossen.  Nach dem Willen Herrmann Görings wären viele Exponate nach Berlin ausgelagert worden, er hatte die Absicht, dort ein großes Jagdmuseum zu errichten. In diesem Fall wirkte sich der 2. Weltkrieg positiv aus, die Exponate sind in Bonn verblieben. 


Das  Museum wurde ab 1947 ausgebaut und eingerichtet und 1950 wieder eröffnet.  1948 stellte es den Mittelpunkt der  im Aufbau befindlichen neuen Bundesrepublik dar. Bonn war durch Adenauer bereits als Bundeshauptstadt favorisiert, und da in Bonn kein repräsentatives Gebäude infolge der Kriegsschäden verfügbar war,   fand in der großen Halle des Museums  (der Lichthof) am 1.September 1948 der Festakt zum Zusammentritt des Parlamentarischen Rates (repräsentiert durch die Landtagsabgeordneten der drei Westzonen)statt.   Zu diesem Zweck wurden die von Koenig noch selbst erlegten und  präparierten Giraffen  verhüllt.   In der Folgezeit wurden das Arbeitszimmer  Alexander Koenigs kurzzeitig durch Konrad Adenauer und   bis 1957 weitere Büroräume durch Ministerien der neuen Bundesrepublik genutzt.  Aus diesem Grund ist das Museum heute eine der 18 Stationen auf dem „Weg der Demokratie“ in Bonn.

Lichthof und Arbeitszimmer waren das nächste Ziel der Exkursionsgruppe.  Ein erster Blick in den Lichthof  gab einen Einblick in die Ausstellung des  Bereichs Savanne und in die Philosophie des Museums.  Nach jahrelangem Umbau ist es seit  2003 das Ziel der  Dauerausstellung, Einblick in die Funktionsweisen von Großlebensräumen zu bieten.    Früher war die Morphologie im Mittelpunkt, heute ist es die Ökologie.  Wesentlich hat Prof. Dr. Clas Michael Naumann diese Umgestaltung geprägt. Nach ihm wurde entsprechend auch der Erweiterungsbau benannt. 
Das Arbeitszimmer Alexander Koenigs erreichte die Exkursions-Gruppe über das wunderschöne  Treppenhaus.  


Im Arbeitszimmer Alexander Koenigs stockt einem dar  Atem. Nicht wegen des strengen Geruchs,    der auf  die Forschung hinweist.  Es ist die Historie, die spürbar ist. Konrad Adenauer hat diesen Raum  für zwei Monate  als Büro genutzt, hier haben die ersten Kabinettsitzungen der jungen Bundesrepublik stattgefunden.  Adenauer hat diesen Raum allerdings nicht so ganz geliebt. Heute ist der Raum mit seiner prachtvollen Stuckdecke und der  ornithologischen Bibliothek im Originalzustand zu sehen. 


      


Dem Raum schließt sich die Ornithologische Sektion an. Die Exkursionsteilnehmer hatten die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen dieser historischen Forschungsstätte zu werfen, die einen Teil der Sammlungen des Forschungsmuseums beinhalten und nicht Teil der öffentlichen Ausstellung sind. Neben den Sammlungen für Käfer, Schmetterlinge, große und kleine Säugetier etc. Die Sammlungen hinter den Kulissen sind Dokumente, welche Lebensformen in den Regionen unserer Erde entdeckt worden sind. Sie dienen der Erforschung der Evolution. In den Vitrinen und Schubladen dieser einzigartigen Sammlung ist eine ungeheure Vielfalt enthalten, jedes Tier ist akribisch auch in seiner Morphologie erfasst. Die digitale Aufarbeitung dieser Dokumentation hat begonnen,   wird aber noch viel Zeit  in Anspruch nehmen. Insofern sind interessierte Wissenschaftler weiterhin aufgefordert, sich für Studien vor Ort zu informieren.  Besonders wertvoll sind die hier lagernden Typexemplare, die das „Urexemplar“  des Tieres darstellen.  Zusätzlich zu den Typen werden Exemplare der verschiedenen Geschlechter, Farbvarianten und Rassen aufbewahrt. Manches Biotop der Ursprungsregion existiert heute schon nicht mehr und die Rasse ist schon ausgerottet. Leider, leider.

Neben den Tieren sind auch die handwerklich beeindruckenden historischen Holz-Schränke zu nennen.  In weiteren Räumen der Ornithologie  befinden sich modernere Schränke. 


 

Anschließend führte Hendrik Denkhaus die Exkursionsgruppe  zurück in die Ausstellung, und zwar in die Sektion Regenwald. Die  Ausstellungsräume gliedern sich in die Bereiche  Savanne / Wüste  / Regenwald  /   Arktis und Antarktis  / Mitteleuropa  / Vogelwelt  / Vivarium.  Die Sektion Regenwald befindet sich noch im Umbau. Ein Blick hinter die Kulisse des Kronendaches des nachgebildeten Regenwaldbaumes im Kamamega Forest in Kenia deutet an, wie das Kronendach einmal aussehen könnte. Derzeit sammeln und forschen die Forscher und Präparatoren des Museums  noch vor Ort in Afrika  und bauen danach die Ausstellung aus.  Der Unterholz-Bereich eine Etage tiefer ist bereits fertig.  Auch hier wird die Philosophie des Museums verdeutlicht, die Ökologie der Flora und Fauna unter dem Oberbegriff „Unser blauer Planet“ zu beschreiben. Tropische Regenwälder beherbergen die größte Artenvielfalt und gehören damit zu den gefährdetsten Lebensräumen der Erde.

Die Vielfalt  des Regenwaldes wird in diesem Unterholz bereits  verdeutlicht.  Menügeführte  Bildschirme geben Auskunft über die Ausstellung.  Einige Komilitonen von Hendrik Denkhaus waren  an der  Umsetzung der Ausstellung beteiligt, die Exkursionsgruppe erfuhr  entsprechend viele tiefergehende Informationen über die Umsetzung.  Zum Beispiel  über die Präparation: Pflanzenteile, die nicht verrotten (Prozessoren sorgen für gute Belüftung), sind echte Teile aus Afrika. Verrottbare Teile wie Blätter etc. sind durch Abdruck der Originalblätter präpariert,  diese wurden in Alkohol eingelegt aus Afrika importiert.  D.h. auch  Einkerbungen usw. sind präpariert.  Auch das Spinnennetz ist präpariert. Eine  Meisterleistung der Präparatoren.
Ein Okapi ist zu sehen, ein Leopard, eine Graumangabe. Alles größere Tier. Aber es sind nicht nur die großen Tiere, die die Forscher interessieren, es sind  -  auch im Rahmen der Biodiversitätsforschung -  wesentlich auch die kleineren. Hendrik Denkhaus nennt als Beispiel einen Baumfrosch, der durch viele Tricks für die Sicherheit seines Nachwuchses sorgt-sowie eine Otter-Spitzmaus.  Zur Erforschung der Aufenthaltsorte der Otter-Spitzmaus werden Wasserproben entnommen und die DNA  der Proben entsprechend ausgewertet. Die Tricks der Forscher.


 

Im Fahrstuhl nach oben führte Hendrik Denkhaus die Exkursionsgruppe anschließend zu seinem ehemaligen Chef,  Herrn Dr. Jan Decher,  dem Leiter der Abteilung Säugetierkunde (Theriologie; man kann auch Mammologie sagen).  Einer Sektion  des ZFMK, des Zoologischen Forschungsmuseums Koenig, neben den Sektionen Vögel, Gliederfüßer, Käfer, Schmetterlinge etc.

Herr Dr. Decher begrüßte die Exkursionsgruppe herzlich und führte sie hinter die Kulissen der Abteilung. In 31 Räumen werden über 100000 Säugetiere in 1800 Arten gesammelt und erforscht.  ca. 5400 Säugetierarten gibt es weltweit.  Die Nagetiere  bilden mit ca. 3000 Arten die größte Gruppe, von den  Fledermäusen sind derzeit 1100 bis 1200 Arten bekannt. Insbesondere die Artabgrenzung wird erforscht, neue Arten sind ggf. zu bestimmen. In der wissenschaftlichen Fachliteratur wird immer wieder eine neue Art beschrieben, jedes Jahr in etwa ein Dutzend. Meistens sind es Kleintiere wie Mäuse und Spitzmäuse, aber auch schon mal „was Größeres“.  Dr. Decher ist Spezialist für westafrikanische Kleinsäuger, insbesondere für Großprojekte in dieser Region  erstellt er Gutachten, in welcher Form das Projekt die Artenvielfalt gefährden bzw. zerstören kann. Beispielsweise für das Riesen- Projekt ausländischer Investoren  zur Eisenerzförderung in Guinea.   Die afrikanischen Sammlungen des ZFMK sind international  besonders anerkannt. Für die Gutachten werden Belegexemplare gefangen und systematisch erforscht. Was im Feld noch wie eine bekannte Art aussieht, kann sich in der wissenschaftlichen Auswertung als eine neue Art  herausstellen. Wie z. B. bei einer Fledermaus, die sich in der genetischen Analyse im Labor auf einem neuen Zweig bewegte,  dieser neue Zweig war dann  auch morphologisch nachweisbar.  Diese Fledermaus wurde  entsprechend als eine neue Art beschrieben, ihr wurde der Name Neoromicia isabella Decher zuerkannt.  Isabella bezieht sich auf die Fellfarbe. Besonders wertvoll für die Forschung sind die Belegexemplare des neu entdeckten Tieres.  Es stellt das „Urmaß“ für die neue Art dar, an diesem Belegexemplar (Typexemplar oder Holotyp) müssen sich international alle Arten messen lassen.  Für die Wissenschaft sind die Belegexemplare  ein ungeheuer wertvoller  Schatz. 

Typexemplare  werden  in das „Handbuch der Säugetiere“ aufgenommen.  Es gibt entsprechende Handbücher in deutscher Sprache,  die Sprache der Wissenschaft ist allerdings ausschließlich die englische Sprache.


 


In einem Raum weiter  erläuterte  Dr. Decher die Präparation von Tieren.


Im Anschluss daran  besucht die Gruppe die Sektionsbibliothek mit wissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften und Berichten speziell   zu  den Säugetieren.   Digitalisierung der Zeitschriften und Berichte ist vorgesehen, Interessierten kann dann alles  in .pdf über das Netz zur Verfügung gestellt werden. Das verhindert unter Umständen kostenintensive Dienstreisen, andererseits ist Forschung vor Ort mit der Notwendigkeit der Sichtung diverser Unterlagen wohl auch in Zukunft notwendig.

In einem weiteren Raum werden viele größere Tierpräparate gelagert.  Überwiegend großartige Exponate der afrikanischen Savanne, die jedoch dem neuen Konzept zum Opfer gefallen sind, nach dem auch die Ökologie der Tiere ausgestellt wird. Für die Tiere war in der neuen Ausstellung schlichtweg kein Platz mehr. Was die Tiere sich an Fabeln wohl zu erzählen haben, wenn die Tür wieder geschlossen ist?  Für wissenschaftliche Sonderausstellungen werden die Tiere  auch ausgeliehen.  Der wissenschaftliche und sicherheitstechnische Aspekt muss aber gewahrt bleiben. Es ist nicht zu glauben, aber die Sicherheit muss vor allen den Dieben asiatischer Auftraggeber mit dem Hintergrund  Aphrodisiakum begegnen.  Das Nashorn ohne Horn in der Ausstellung Savanne spricht Bände.

Die Gruppe erreicht den Beringungsraum für Fledermäuse.  Dr. Decher illustriert, wie die Beringung am Unterarm durchgeführt wird. Die Ringe werden an berufliche und ehrenamtliche  Forscher ausgegeben, die die Beringung ausführen.  Die Daten über die Beringungen und die Wiederfunde von Fledermäusen sind in Deutschland seit 1932 archiviert, seit  1960 werden die Daten in Museum Koenig   und seit 1993 für die ostdeutschen Bundesländer in Dresden  gesammelt.  Für die weitere Erforschung der Lebensweisen von Fledermäusen ist jede Ringmeldung von Bedeutung.  Daher freuen sich die Zentralen in Bonn und Dresden, wenn die Öffentlichkeit  zu diesen Forschungen beiträgt, indem sie einen Fund meldet.  
Weiterhin soll intensiv das Flugverhalten von Fledermäusen erforscht werden. Fledermäuse legen    teilweise sehr lange Strecken zurück.  Bei der  Rauhautfledermaus sind beispielsweise Strecken bis zu 1900 km nachgewiesen. Es ist beabsichtigt,  Fledermäuse mit Sendern zu bestücken, ein Netzwerk von Helfern  (auch Funkamateure) soll  die Empfangsdaten aufnehmen.
 
Die Beringungszentrale im Museum arbeitet eng mit anderen europäischen Zentralen und mit EUROBATS zusammen. Dr. Decher zeigt einen Leitfaden für die Berücksichtigung von Fledermäusen bei Windkraftanlagen  von EUROBATS. Die Rotoren von Windkraftanlagen sind für Fledermäuse ein großes Problem. Nicht nur die Rotoren selber töten die Tiere, sondern auch der Unterdruck aus der Rotation.  Wenn es gelingt, die Flugwege der Fledermäuse exakter zu erfassen, könnte die Genehmigung neuer Anlagen daran orientiert werden.  Bisher erfolgt die Aufstellung von Windkraftanlagen ausschließlich vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Erfolges. 


     


Eine weitere Station des Rundganges: die Aufbewahrungsschränke für Felle. Von großen und kleinen Tieren. Wenn ein großes Tier kommt, muss es sofort   mit allen verfügbaren Präparatoren bearbeitet werden. Die Felle werden anschließend von einem Gerber gegerbt (es gibt noch einen in Bonn). Felle von Kleintieren wie Mäusen müssen nicht zwingend gegerbt  werden.   Die Lagerung im Schrank bringt natürlich Probleme durch ggf. Befall von Schädlingen wie Motten, die dem Fell „an das Fell“ wollen. Behandlung mit Gift wird heute ausgeschlossen, bei Verdacht des Befalles werden die Präparate im Kälteschrank behandelt.
 
An die Räumlichkeiten für Felle schließen sich die Räume für die Skelette großer und kleiner Säugetiere an.  Es ist so gut wie alles vertreten, Skelette  von Walen sind  jedoch nicht enthalten, diesbezüglich   bietet  sich das Meeresmuseum in Strahlsund an.  Aber das Skelett einer Seekuh und eines eleganten Tümmlers sind neben dem Torso eines Nilpferdes enthalten.  Wie Wale sind Seekühe Meeressäuger.  Die Entwicklung der Meeressäuger im Verlauf der Evolution vom Weg in das Wasser ist wissenschaftlich  gut dokumentiert.    Wale und Seekühe  brauchen heute keine Besonderheiten an den Skeletten,   um die tragende Funktion auszuführen. Wie es z.B. bei den Elefanten der Fall ist. An einem Elefantenschädel erklärt  Herr Dr. Decher Einzelheiten.
 
Im Raumbereich der Skelette ist auch ein Raum für Tiere hergerichtet, die eigentlich im Keller deponiert waren, aber dort infolge zu geringer relativer Luftfeuchte nicht genügend alterungsbeständig gelagert waren.  Diese Tiere sind teilweise  als Jagdtrophäen hergerichtet, früher wurden im Museum auch Ausbildungen zur Vorbereitung von Jägerprüfungen abgehalten. Ganzheitlich steht in diesem Raum  ein absolut Respekt einflößender Kaffernbüffel.
     


  

War´s das? Es gibt noch einen Dachboden mit dem sogenannten 7-Türen-Flur.  Weitere Tiere und Skelette auf engstem Raum für die forschende Theriologie.  Die Genetik wird  sich zukünftig  noch mehr auf rechnergestützte Analyse abstützen. Beispielsweise können DNA- Proben – insbesondere an altem Museumsmaterial  - durch Roboter genommen und ausgewertet werden. Das neue  Zentrum in Poppelsdorf wird  hier sehr hilfreich sein. Auch die nutzbare Datenbank BIODAT soll für den Bereich Theriologie weiterentwickelt werden. Insbesondere bezüglich dieses Fachbereiches ist die enge Zusammenarbeit mit dem Museum für Naturkunde in Berlin sinnvoll und notwendig.

Auch in Richtung des bereits überdeutlich festgestellten  Biodiversitätsverlustes  sollen weitere Wege begangen werden, um diesen nachhaltig zu erforschen  und, soweit es überhaupt noch möglich ist, Gegenmaßnahmen zu empfehlen.  Um die Erde für uns zu erhalten, müssen die Veränderungen der Öko-Systeme beobachtet und verstanden werden. Die Wissenschaft hat sich zur Aufgabe gestellt, die Beobachtungen wissenschaftlich zu bewerten und die Öffentlichkeit verständlich zu informieren.  Am  ZFMK soll die Biodiversitätsforschung auch durch Einstellung neuer Forscher erweitert werden.  Das Direktorium plant ein öffentliches bundesweites Monitoring, um die Öffentlichkeit ständig zu informieren. Und aufzuwecken?

Dr. Decher könnte noch vieles mehr berichten, aber  das Aufnahmevermögen der Exkursionsteilnehmer scheint  ausgeschöpft zu sein.  Auch  der Zeitplan der Exkursion ist ausgeschöpft.  Dr. Decher  gibt abschließend  eine Empfehlung, das Museum noch einmal zu besuchen und weitere Führungen zu buchen.  Insbesondere einen Besuch des Neubaus mit der Molekularabteilung und dem Rechenzentrum  in Poppelsdorf sollte man jetzt schon planen. Dort wird es auch ein nettes Café geben.  Empfehlenswert ist  auch ein Besuch des Botanischen Gartens in Bonn, einer zentralen Einrichtung der Forschung und Lehre der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität.  Auch dort gibt es ein nettes Café.  Und Dr. Decher empfiehlt nachdrücklich, den Versuch zu unternehmen, die Jugend mehr für die Naturwissenschaft zu begeistern.

Herrn Dr. Decher gebührt  ein herzlicher Dank für diese hochinformative  Führung hinter den Kulissen des Bereichs der Säugetiere.  Vor allem die freundliche und nette Vermittlung des wissenschaftlichen Wissens   war  beeindruckend.
  
Hendrik Denkhaus übernimmt wieder die Führung.  Es sind noch 25 Minuten bis zur Abfahrt  in die östliche Vulkaneifel,  jeder kann jetzt machen, was er will. Hendrik Denkhaus erklärt noch einmal  kurz den Aufbau der Ausstellung und den Weg in das Museums-Café´.  Damit sind beide Möglichkeiten genannt, die nächsten Minuten zu gestalten.  Hendrik Denkhaus kann sich für einen weiteren Termin verabschieden.  Auch ihm gehört ein herzlicher Dank für die erfrischende und informative Führung.  



 

Mit dem Besuch des Forschungsmuseums Alexander Koenig  endete das erste Kapitel der zweitägigen Exkursion. Weitere Kapitel waren der Besuch des "Vulkanmuseums" in Mendig am 22. Juni 2018 sowie Besuche der Grube "In den Dellen"  sowie "Wingertsberg" am 23. Juni 2018.


Weblinks

Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Leibnitz-Institut für Biodiversität der Tiere

Bonn Poppelsdorf: Uni und Botanischer Garten

Leibnitz Gemeinschaft

Weg der Demokratie

Alexander Koenig

Parlamentarischer Rat

Otterspitzmaus

Eisenerzförderung in Guinea

Fledermäuse

EUROBATS und Windenergie

BIODAT

Letzte Änderung: 03.07.2018